Montag, 22. Februar 2010

ego sum

Hollywood wäre stolz auf mich! (und sich!) Wahrscheinlich zeige ich genau die Reaktion, die sich ein jeder Regisseur, Produzent und wahrscheinlich auch Schauspieler gewünscht hätte: Die volle Packung Emotionen! Ich bin sehr empfänglich für sowas, geradezu befangen von dem Film, hab gelacht und geweint und werde ihn allen weiterempfehlen. Schade nur, dass niemand was daran verdient, aber wie sollte man das auch mit Geld begleichen? Ich war weder im Kino noch besitze ich (persönlich) die DVD... Ich zahle in Lob und Erkenntnis.

Oft habe ich mit Leuten diskutiert, ob Menschen sich ändern können, und war immer Stur der Ansicht, dass sie das nicht tun. Nicht oft, nicht grundlegend und schon gar nicht absichtlich. Man macht Fehler und korrigiert, man versagt und beginnt von vorn, aber man bleibt die gleiche Person. Was auch immer man erlebt, das innere Antlitz ändert sich nicht, die Erinnerung meißelt den Stein der Persönlichkeit. Ich bin überzeugt, dass wir viel versuchen um zwischen Erscheinungen zu wechseln, manche sogar täglich, und dass selbst die Macht der Gewohnheit bezwungen werden kann. Jedoch wechselt niemand von Gut zu Böse oder andersrum, denn die Interpretation und Unterscheidung ist subjektiv, und von außen anders als wir es selbst empfinden. Solange sich unser eigener Maßstab für Recht und Unrecht nicht ändert, kann man nicht davon sprechen, dass wir uns ändern. Bei einigen pendelt das Maß bis das Bewusstsein durch Erfahrung fixiert wird und von einem groben Maßstab (Kindheit) über einen sehr detailierten in einen ...* Maßstab (Alter) übergeht. Vor allem bin ich mir so sicher über die Unwahrscheinlichkeit, dass Menschen sich ändern, weil ich es mein ganzen junges Leben lang probiert habe. Ich bin um die ganze Welt gereist, habe viel erlebt, nur um danach ein ca. 15 Jahre altes Video zu sehen und festzustellen, dass ich damals schon genau die war und werden sollte, die ich heute bin. Der Glaube um die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, den wir täglich als bewiesen wahrnehmen, trotz der unzähligen Ähnlichkeiten aller Menschen, kommt nicht von ungefähr.
Jedoch ist mir heute etwas bewusst geworden, als ich den Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" angesehen habe, und was meine Theorie nicht widerlegt und trotzdem Hoffnung macht: Selbst wenn man sich nicht ändert, kann man doch der Mensch werden, der man immer sein wollte. Die Verkleidungen vergessen und in sich selbst verlieben, mit den Vergleichen aufhören und genauso so sein wollen, wie man ist. Und dafür ist es nie zu spät!


* Das weiß ich noch nicht. Vielleicht wird der Maßstab wieder grob, vielleicht noch genauer. Wenn ich alt bin, werde ich es erfahren.

Dienstag, 2. Februar 2010

Februar-Kalenderblatt


...eine Hommage an meine Träume, die fast immer sämtliche Verrücktheits-Skalen sprengen, mit Sachen wie dem brennenden Eifelturm und Fahrtkarten aus Schokolade, einem Gespräch mit Obama über persönliche Zukunftsvorstellungen, sowie vollständigen Science-Fictionen-Filmen. Irgendwann werde ich einen Film drehen und viel Geld damit verdienen. Oder zumindest ein Buch schreiben: "basierend auf einer wahren Begebenheit aus meinen Träumen"

Mittwoch, 20. Januar 2010

Des Anfangs Ende

Jetzt sagt nicht es ist schon wieder ein neues Jahr?! Zumindest hört man immer noch wie die Leute sich alles Gute wünschen... Ob das hilft? Die Zeiten sind ja nicht gerade rosig, denn seien wir mal ehrlich, die Prognosen waren wohl doch etwas optimistisch und müssen nun kleinlaut zurückgedreht werden. Zudem war es bisher so kalt dass die Zähne klapperten, dabei kann man sich ein neues Gebiss gar nicht leisten. Wenn jedoch die neue Regierung tatsächlich mal Wort halten sollte und das Kindergeld wie versprochen erhöht (hat), kann ich wenigstens weiterhin meine Miete zahlen. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und schon gar nicht eine Merkel vor der Abwahl. Denn auf die Unzuverlässigkeit der Politik ist Verlass und so schneidet man mir das gesparte Geld bestimmt anderswo aus der Rippe.

Trotz oder gerade wegen der kaum befriedigenden Bedindungen hier ist der nächste Urlaub schon gebucht! Im März/ April geht es für fast 2 Wochen zum Wandern nach Portugal, zusammen mit 3 Freunden vom Frisbee. Ich kanns kaum erwarten dem Großstadtrubel zu entfliehen und in der aufregenden Ruhe und fairen Gleichgültigkeit der Natur mein Dasein mit seinen Grundsätzen zu konfrontieren. Noch bin ich aber gezwungen Joe im Keller zu lassen und in überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel umständlich zur Uni fahren, unerträglich nah an anderen Menschen, deren Existenz meine Sinne zu eigentlich jeder Tageszeit überfordert. Warum gibt es denn kein Parfumverbot in Straßenbahnen? Aber was tut man nicht alles für sein Fahrrad! Letzten Montag hatte ich noch damit versucht durch den Schnee zu kommen, mit einem durchschnittlichen Erfolg von 10km/h. Mein Professor, der mich zufällig nach dem Seminar traf, fand das sehr mutig.

Falls ich nun die Hoffnung geschürt habe, dass gleich eine bissige Abhandlung gegen Schnee kommt, kann ich jene gleich wieder enttäuschen. Ich liebe Schnee nämlich! Immer und jederzeit. Selbst wenn er mein Auto zu 60km/h auf der Autobahn zwingt. Denn beim langsamen Fahren kann man die verschneite Landschaft besser bewundern. Das war im Dezember, auch im Januar konnten wir oben auf dem Kandl sogar Rodeln und uns ausgiebig mit Schnee bewerfen, uns darin wälzen und mal so richtig den Arsch abfrieren. Und vor einer Woche, als in den Medien noch Panik vor einer "Schneekatastrope" geschoben wurde, stand ich freiwillig früh auf um einen Sonnenaufgang in der Winterlandschaft zu sehen (leider hatte die Sonne den Termin verpasst). Die Katastrophe blieb natürlich aus, sehr zum Entsetzen der Skilifte in den Alpen, und wie Teamkollege treffend meinte: in Bayern sagt man dazu "Winter".

Das Turnier in Dresden war übrigens super, auch weil ich diesmal mit Frankfurt (mixed) spielen konnte aber vor allem weil wieder einige meiner Freunde vorbeigekommen sind. Dabei war es mir diesmal gar nicht so wichtig, Frisbee ist einfach nicht mehr Mittelpunkt meines Lebens und der Spirit ist mir etwas abhanden gekommen. Wenn man erstmal als zweitklassiger Spieler abgewertet wurde, verabschiedet sich auch die Motivation. Mittlerweile muss einmal Training in der Woche reichen und wegen Turnieren verschiebe ich schon längst keine Treffen mehr. Obwohl der Wintercup mit unserer Damenmannschaft überraschend viel Spaß gemacht hat und ich mich (zumindest nach der erholsamen Mittagspause und nachdem ich meine Würfe an Frauen-Laufgeschwindigkeit angepasst hatte) als wichtiger Teil des Teams etablieren konnte. Ich hab sogar gerödelt, eine Premiere! Vielleicht kommt die ganze Begeisterung wieder, wenn nur genug Gras über London gewachsen ist.
Apropos, die Fotos von dem Ausflug sind bald online, hier, und ich meine die s/w!
Außerdem wollte ich den Kalender mit euch teilen, den ich zu Weihnachten für die beste-aller-Mutschs gemacht habe. Zum ersten Mal habe ich mich beinhahe rücksichtslos künstlerisch an Collagen gewagt, und sie wirken erschreckend konservativ. Wie sehr wir uns doch selbst dann treu bleiben, gerade wenn wir das Gegenteil versuchen!


Auf Arbeit, wo ich tatsächlich noch hingehe aus Alternativenmangel (natürlich) ist alles beim alten, noch niemand gestorben dieses Jahr, dafür sind alle verrückt. Und die Behinderten erst!
Und auch in der Uni geht es zu wie im Tollhaus, aber so lange ich dabei was lerne... Obwohl das eigentlich gar nicht nötig wäre, denn nach Ansicht meines Mitbewohners muss man keine Ahnung von Pädagogik haben um darüber zu diskutieren. Sagt ausgerechnet ein Fussballer! Aber solche Einstellungen zeugen von Ignoranz und die beste Umgangsmethode damit ist natürlich sie zu ignorieren. Ich muss ja schließlich noch 2 Referate halten und mindestens doppelt so viele Hausarbeiten schreiben, keine Zeit, das auch noch zu rechtfertigen. Aber ein Praktikum ist noch nicht in Sicht, wann soll ich mich da auch drum kümmern? Bin ja den ganzen Tag damit beschäftigt, kein Internet oder Telefon zu haben. Damit erklärt sich auch warum ich nicht mehr bei Skype bin und erst jetzt wieder einen Eintrag verfasse. Aber wenn man mal die Tatsache außer acht lässt, dass alle Welt meint mich elektronisch erreichen zu müssen und überhaupt ohne Internet gar nichts mehr geht, ist ein Urlaub davon ganz erholsam. Und belegt außerdem das Gegenteil. Und ihr habt die Zeit auch überstanden ohne zu wissen wie es mir geht, nicht wahr!? Das vergessen wir leider manchmal, wie Warmuuh treffend feststellt.
Hiermit also ein paar Grüße aus dem Off! Bleibt ja anständig, denn ich kann mir gerade weder die peinlichen Fotos online ansehen, noch die üblen Geschichten über Telefon anhören. Ruf mich lieber auf dem Handy an. Alda.

Sonntag, 3. Januar 2010

soundtrack for my funeral

so, what's new? the year, yes. a new beginning, or at least unwritten pages of a brandnew calendar, yet to be filled with dates of birthdays and plans for, let's say, january. for me the new year had already started in mid-december, when I felt that things were changing or even came to an end. some beliefs, friendships and other passions. it's not an exact dateline to tell me when a period of time finishs but rather a feeling, involving calmness and excitement simultaneously. so on new year's eve I celebrated what has happened before, being grateful what I have now and almost outragously curious what is to come into my ever changing life.

now I'm back in Frankfurt, already missing my family and friends, ...home! everyone who has once been there, far in the east, will agree about it's beauty. one day I will be back in Dresden, sitting at the riverside in the summer, looking at the centries-old buildings and just feel content. it's not a smart move to hang your heart on a city, or a certain place, and then leave, but as a passionate human being it's all but unaviodable. my rare visits make it even more special and my appreciation to be there grows every time I wander through the familiar streets. is it just me, or are people in Dresden more friendly, indeed? maybe a bit more naive, too, than in Frankfurt or other bigger cities, but caring and outgoing. for now I lean on my memories and just wait til the weekend until I'm back home, playing frisbee. it's work, more or less, that made me coming back one week before uni starts again. I called my boss at work this afternoon, to ask when I have to work again, and he said, "nightshift, tonight!". not the best news when I'm still in holiday-mood and facing a heap of stuff to be done soon... anyways, I prepared myself mentally, until he called me just a few minutes ago to tell me he got confused with the week days: "your nightshifts are starting tomorrow". coolio. that means I can get out and see a friend, softly shaking off that slight lonelyness, which already caught me moments after my last ally left me, after 7 incredibly wonderful days.

it's not a relief being back in Frankfurt, it feels even less home after all that fun I experienced elsewhere. though I know it's more the snowless weather and early darkness working against positive thoughts, and therefor I just have to kick my ass and get started. but before I do that, I create a playlist. it's a priority, music always helps. it has pulled me out of more shit than any friend ever could. hence I don't find it akward to think about the music I would like to be played at my funeral. that'd be the only thing important to me. people who know me also know I'm making soundtracks for everything. cleaning. packing. trips. moods. parties. I was thinking about a song for my wedding, so why not for my funeral? I think those songs are beautiful and I'd rather want the audience (I'm a bit unsure if this is the right term in this context...) to listen to them than to long tearful speeches. I always found music more consoling than just words.



that's it for now.
tomorrow hasn't spoken yet,
so I'll let this day set
for the same difference to come anyhow!

Mittwoch, 9. Dezember 2009

kaunddaun *

hallo freunde!

aaah, stress, durcheinander, beängstigende rechnungen der krankenkasse. langsam sollte ich mal einen unfall haben, sonst lohnt sich das gar nicht! und doch weiß ich: die wollen nur mein bestes. mein geld.
das hat diesen monate eh eine hohe fluktationsrate, dabei hab ich noch nicht mal geschenke gekauft. und außerdem verdiene ich weniger als vorher. konstellarisch suboptimale situation, sollte ich meine soziale partizipation aufrechterhalten wollen.

und sonst?
uni? läuft. *
frisbee? schmerz! *
liebe? immer. *
* miteinander austauschbar

beängstigenderweise werden meine träume nachts immer realistischer. warum? gen null tendierender fernsehkonsum? besuche in kritischen seminaren? realitätssteigerung durch einkommenssenkung? ich wünsche mir zu weihnachten ein märchenbuch! nicht, dass die realität so unerträglich wäre, nur ihre unstetigkeit macht mir zu schaffen. wo hingegen die geschichten aufhören, wenns am schönsten ist. interessante vorstellung.

erkenntnis:
wenn der kaffee nicht mit einem schluck morgen beginnt,
könnte der tag kompliziert werden.


und zum ersten mal auch lyrik:

Herbst In Frankfurt

Nebliger Morgen
verschleiert die Silhouetten der Baumgerippe

das zähe Kalte verschluckt den Tag


müde Stadt

deren dunklen gähnenden Rachen

nur etwas Sonne zu erhellen vermag



(mein stadtführer im hinterhof in offenbach. fotografie-seminar, thema: kindheit im nordend)


*~*~*

only a few days left... and things keep changing, while I try not to be impatient for the results. on the other hand, stress, stress and lots of things to do and think of! a busy time, and that's when difficult relationships become fragile and about to break. but a problem always consists of two people, so I shall not critise others before myself. to not talk about an issue usually causes more issues and therefor a higher need for communication in the end. of course! silence may be golden, but won't pay for your problems after all.

not always easy having the same goals but different styles...
but through the darkness we'll move, our faces lighting up with smiles!


ignoring the spirits of christmas, I focus on those of ultimate. they almost had me on my first tournament since london (which didn't quite deliver, regarding the drama before)... I felt the butterflies coming back at the uni-championships in kaiserslautern, oh how I had missed just playing for fun! I enjoyed it a lot. but on sunday our team was in bad mood, maybe due to exhaustion, it just drove me crazy that we couldn't motivate ourselves. it was more or less one guy in our team keeping the bad spirit, but it spread quickly. that wasn't the frankfurt I used to know! well, surely I'll see it as an exception, although I'm not looking forward playing with that guy at my next two tournaments...
but since you cannot chose the people around you, gotta love the ones you're with.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

hinterm Vernunftshorizont gehts weiter

Was gibt es neues?
- Wie, außer dass ich beinah vollständig Fleisch vermeide (nennt mich Vegetalia!) und mein Glauben zur Agnostik geschrumpft ist?
Och...

Heute morgen, also kurz vor 10Uhr, saß ich mit meinem Kaffee vorm Fenster und starrte unwillig auf den Regen. Das macht Böcke auf Fahrrad fahren! Aber mit den ÖPNV dauerts doppelt so lang, und da der Kaffee mal wieder viel zu stark war, hatte ich keine Wahl. Als ich kurz darauf gegen die nassen Naturgewalten mein Weg gen Uni bestritt, total angeschissen vom Wetter, kackte mir so ein bekloppter Vogel aufs Bein... Damit lernte ich meine erste Lektion bereits vor Seminarbeginn: Sei dankbar, denn schlimmer gehts immer. Und: Fahre nicht unter Laternen durch.
Übrigens sollte man auch NICHT probieren, direkt vor einem Polizeiwagen über eine rote Ampel zu radeln, auch nicht im Dunkeln, auch nicht mit einer Über-Ungeduld. Selbst in der Verbrecher- und Drogenhauptstadt Frankfurt hat unser Freund und auf-die-Sprünge-Helfer noch genügend Zeit, mit Blaulicht ein Fahrrad an- und Standpauken zu halten. Aber ich musste nicht zahlen, und entdeckte zudem eine mir bis dato wenig vertraute Eigenschaft: wenns drauf ankommt mal die Klappe halten!
Mann in Blau: "Machen Sie das öfter, über rote Ampeln fahren?"
Mögliche Antworten:
a) Soll ich Sie auch noch anlügen?
b) Sie meinen pro Strecke?
c) Neeeeeeeein, nicht doch!
Nichts zu sagen, lässt alle Möglichkeiten offen. Und es hilft auch keinen Führerschein zu haben.
Und nun bremse ich immer ab vor roten Ampeln! Sehe mich nach Polzeipräsenz um, und fahre dann erst weiter. Natürlich nie betrunken!

Aber der Tag heute wurde noch sehr schön, denn in der Uni angekommen hatte ich ein super Seminar, trotz Streik, und viel Spaß mit Lena, die mit ihrer guten Laune den Regen vertrieb. Der Professor referierte über Behinderte und deren "Integration" ins Bildungswesen, sehr eloquent, bissig und ach ja, bei dem sollte ich mich prüfen lassen. Vorausgesetzt, er ist in 2 Jahren noch an der Uni.

Das führt direkt zum Thema ARBEIT, genauer: Behindertenheim. Davon hab ich auch noch nie erzählt...
Ich bin ja gern dort. Man ist mit dem Chef per du und kann daher Dinge sagen wie "M., zick DU doch ma nich so rum!" (klingt hart, war aber völlig berechtigt, ich habe eine Unschuldige verteidigt!) Man wird schon mal völlig abgehärtet für späteren Nachwuchs bzw. zu pflegende Verwandtschaft. Man lernt sinnlose Vorschriften von oben zu ignorieren, eine Tätigkeit voller Risiko. Und ich könnte mich sogar vorrangig und kostenlos gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Aber da könnte ich ja gleich anfangen, ne private Altersvorsorge abzuschließen, oder ne Lebensversicherung. Oder über grüne Apeln fahren. Ha!
Ich bin nun schon über 3 Jahre da und es wird echt nie langweilig. Da gibt es den Joachim (Namen nicht geändert, kennt eh keiner), der sich gerade vom Schlaganfall erholt und wieder sprechen lernt. Da stand im Pflegebericht vor kurzem: "Bew. geht es gut. Hat ein neues Wort gelernt, findet jetzt alles Geil." Ich laufe durch den Gang, schieb den Manni vor mir her und sage Hallo! zu Joachim. Was antwortet der? "Geil."
Ein paar Auszüge meiner Notizen über den Job:
Mai 2007 - Der Tag war bisher schon anstregend, dann auf Arbeit ankommen und feststellen, dass ich mit 2 der nervigsten Kollegen Dienst habe, lässt Stress befürchten. durchatmen, die Sorgen weglächeln und rein ins Vergnügen! mein Enthusiasmus hält bis zu dem Moment, wo Christine mir erzählt, dass ihr Urinbeutel ausgelaufen ist. Hose, Schuhe etc. müssen gewechselt werden, sie liegt auf dem Bett und regt sich furchtbar auf, aber ich bin diejenige, die die nassen Socken mit spitzen Fingern in die Wäsche befördert...
Oktober 07 - diesen Moment intensivsten Gefühls... ich fühl mich wie kotzen, heulen, schreien, ausrasten... alles! wie betäubt und doch einschneidend, erbarmungslos. tief Luft holen... gerade ist der Neue gestorben, gestern hab ich ihn zum 1. Mal gesehen. irgendwie ist das alles unrealistisch. ich muss anfangen zu arbeiten obwohl ich mich fühle wie weglaufen. so ein Dreck! wovor hab ich eigentlich Angst? was macht mich s fertig? ich kannte den Mann kaum und so symphatisch war er mir auch nicht... vielleicht führt es mir einfach meine eigene Sterblichkeit vor Augen und im selben Moment die Hilflosigkeit mit welcher ich ihr begegne. es geht dabei ja nicht nur um mich, auch den anderen droht früher oder später ihr Schicksal, ohne dass ich die Macht hätte es zu ändern!
Dezember 08 - Let The Sunshine In, dieses Lied 22Uhr zu hören hat etwas von angenehmer Ironie... es passt allzu perfekt auf mein Leben. Auf Arbeit habe ich erfahren, dass eine der Bewohnerinnen tot ist. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Am liebsten hätte ich mich verkrochen, nicht aus Trauer, aber um der Verwirrung zu entgehen, denn trotz des Schocks fühl ich mich sehr glücklich momentan.
Juli 09 - Nachtdienste sind schon was tolles: entspannt arbeiten und zwischendurch Zeit zum Grübeln. Und wichtige Entscheidungen werden auch ab und an getroffen... So fahre ich also doch nach London! Ja, ich bin bei der EM dabei! Mal sehen, wann ich anfange, mich zu freuen.

Natürlich werden diese Auszüge meinem vielfältigen Arbeitsleben nicht representativ gerecht, aber für heute habe ich genug geschrieben. Mein Brot ist fast fertig gebacken und einkaufen muss ich auch noch. Heute Abend ist die ganze WG beim Sport, nämlich Fussball, Fitness-Studio und Frisbee, alle Aktivitäten mit F. Schöner Abschluss-Kommentar von Helle: "Boah sind wir sportlich, das is ja zum kotzen!"

Montag, 9. November 2009

to myself

every day in my life I find myself questioning almost everything I have and do. I wonder if I rightly use my right to live, if I'm making it special enough.
what about my studies, are they right for me? and my friends, what do they really think? is playing frisbee good for me or will it lead to another drama? do I do my dreams justice or am I already caught in a capitalistic way of life, leading to a reasonable job with the main focus on money? am I aware of all my possibilities and do I make the best of them? do I use my potenial in every single way?
live is the most confusing thing ever and at times I feel the urge to express my emotions in a song, which wouldn't work with my basic guitar skills on the one hand and my high demands on the other... then I think, just write them down, but the words just wouldn't suit my complex thoughts or my high expectations on poetry. there are days I'm not even sure I have a single talent.
I look in the mirror and wonder if that's really me.
I can't make up my mind about myself and I don't want to. in contrary, other people seem so established in their way of life and sure about what they wanna do and who they wanna be. how do they do that? aren't they afraid to miss out?
The question is: I might be 80 years old before I finally find my true self, or better: before I've seen all sides of my true self... Does that scare me?
Yes, definitely. This is the only secure answer I can give. Not to know all the others might be difficult, but above all, it gives me freedom.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

bei Sammy Narr und Effi Zienz (Aufgewärmtes 3)

Man hat schon nicht mehr dran geglaubt, also zu sagen "die Hoffnung aufgegeben" wäre übertrieben, doch zumindest schien es wahrscheinlicher, einen Sport zu finden bei dem nicht gedopt wird (nein, Schach zählt nicht) als mich regelmäßig an der Uni zu treffen. HA! Dem ist aber so, 4mal die Woche in 7 Kurse, das ist eine Steigerung von 80% gegenüber den letzten beiden Semestern, in welchen ich im Unigelände höchstens in der Mensa, meist aber außerhalb dessen arbeiten und Frisbee spielen war. Nun aber wird fleißig studiert, ich mach 4 Scheine (eine Steigerung um 400%) und stehe dienstags sogar um 7Uhr auf. Doppel-HA! Und was steht so auf'm Plan diesen Winter?

Lebensgeschichtliche Krisen und nachhaltiges Lernen: Wusstest ihr, dass 1968 wegen einer politischen Zwangsemigration 30 000 jüdische Polen nach Österreich (auf dem Weg nach Israel) abgeschoben wurden? Erst vor kurzem hat die polnische Regierung das zugegeben und sich entschuldigt.
Die Konstruktion von "Migrantenkindern": Während eines weniger interessanten Vortrags der HiWi (der Prof is klasse!) hab ich mal überlegt, wieviel Wörter ab 4 Buchstaben man aus den Buchstaben des Wortes MIGRATION bilden kann. Wer schafft mehr als 11?
Ökonomisierungstendenzen im Bildungswesen: Die wirtschaftliche Seite der Bildung. außer mir sitzen übrigens im Seminar: Effi Zienz, Bill Dung, Bruno Sozialprodukt und natürlich Sammy Narr.
Die Bedeutung des "Bösen" in der Pädagogik: Der Prof benutzt mehr Fäkalsprache als ein Durchschnitts-Rap-Song, ist aber doppelt so alt. Das nächste mal bitte ich ihn das zu unterlassen, meine Ohren sind doch keine Toilette!
Sozialforschung und Fotografie: Mitte November besteht der praktische Teil im Besuch eines Jugendzentrums in Offenbach, lustigerweise genau um die Ecke meiner ehemaligen Wohnung; dann kriegt jeder von uns einen Jugendlichen und begleitet ihn durchs Stadtviertel und macht Fotos, die später empirisch (qualitativ) ausgewertet werden. Drückt mir die Daumen, dass ich einen guten Jugendlichen abkriege, nicht zu brav, am besten Kiffer!
Erziehungswissenschaft und Pädagogik in der NS-Zeit: Schon wieder böses. Aber der Prof ist gut, angenehm opportunistisch und dabei immer historisch korrekt.
Liebe und Sexualität im Jugendalter: Letzte Woche bin ich bei einem Referat über Statistiken eingeschlafen, aber warum haben die auch die Fenster zugemacht? Ansonsten zeigt sich, dass Jugendliche heutzutage auch nicht eher Sex haben als in den 90ern und dass es in den 60ern mehr Homosexuelle gab. Wer hätt's gedacht?!

WUSSTEST DU SCHON?
Warum ich überhaupt studiere? Da gab ein Kommilitone meines Fachs im Seminar zur Ökonomisierung eine lustige Antwort: "Um später mehr zu verdienen." HAHAHA, Scherzkeks. Doch nicht als Pädagoge! Ich studiere doch, weil wir so viele Semesterferien haben und weil es an der Uni wärmer ist als bei mir im Zimmer! Ich hoffe, ich habe niemand desillusioniert...

Montag, 26. Oktober 2009

VerÄppelt (Aufgewärmtes 2)

Als erstes ein Hinweis an alle Hessen und Apfelwein-Freunde in aller Welt: Bitte nicht weiterlesen! Alle anderen: Unbedingt weiterlesen!

Ich steh ja auf lokale Köstlichkeiten, also die kulinarischen Genüsse einer Region, die deren Ruf vorauseilen und sich super als Mitbringsel eignen. Dresden hat den Stollen, Lübeck sein Marzipan, Hamburg seinen Fisch und Frankfurt seinen Apfelwein. Vor allem als Gründungsmitglied von FRAU RAUSCHER, unserem Damen-Frisbeeteam benannt nach der Traditionsmarke, darf ich es mir gar nicht leisten, auch nur ein schlimmes Wort über das berühmteste Exportmittel Frankfurts nach Sonya Kraus bzw. Mark Medlock zu verlieren... Allerdings, wer einen ganzen Tag unter den Folgen mittelmäßig übertriebenen Äpplergenusses zu leiden hatte, sollte mit der Warnung nicht haushalten, sondern eher hausieren gehen.
FINGER WEG VON DER 2. FLASCHE APFELWEIN!
Um die extra Stunde am Wochenende, die geschenkten 60 Minuten gebührend zu feiern (ich möchte daran erinnern, dass Studenten eine Art Optimierungs-Gen haben, um alles aus allem rauszuholen), habe ich mit Jonas eine Äppler-Orgie veranstaltet, wobei wir auch den Buchstaben K abgeschafft haben, aber geine Panig! Es war nur für den Abend. Es waren nur 2,5 Flaschen, also ca 1L pro Person, aber es hat gereicht um mich den nächsten Tag außer Gefecht zu setzen. Da war ich so stolz nach der Sause im Rosi's gesund davon gekommen zu sein und dann verbringe ich wegen ein bißchen Apfelbrause den Tag auf der Couch!
Morgens gings noch, und mittags bei schönstem Wetter und Marathon auch (als Zuschauer natürlich, denn sowas ist ja nicht nur anstregend, sondern auch langweilig und das macht man sonst nur ab und zu in der Uni freiwillig mit. also, Respekt an alle Läufer!). Zurück daheim kämpfte ich bei unzähligen Folgen einer Comedy-Serie gegen eine unterschwellige Übelkeit, die ich auch schon bei den Wahlergebnissen im September verspürt hatte, nur noch länger anhaltend.
Seid also gewarnt!

Äppler in Maßen,
gut und schön,
aber mehr als 1 Flasche,
damit ist nicht zu spaßen!

Sonntag, 18. Oktober 2009

Aufgewärmtes 1

wie ich hier so sitze und mal wieder ein Lied nicht zu Ende schreibe, kann ich wenigstens mit dem Blog anfangen, nebenbei Tee, den gabs kostenlos bei der Buchmesse und er schmeckt fürchterlich... Immerhin war da alles andere klasse und da schließlich ich in die Küche musste und neuen machen, konnte ich gerade so das Brot vorm 2. Anbrennen retten (Ciabattas sind aber auch teuflisch schwer zu backen). Normalerweise lass ich einfach die Zimmertür offen und erkenne am Geruch bevor es fast zu spät ist, aber bei Schnupfen wär ein Wecker angebracht.

Trotz Erkältung war ich also bei der Buchmesse, sogar zweimal mit meiner freien Eintrittskarte. Nicht nur all die Bücher sind beeindruckend, noch viel mehr die Autoren, die einem da übern Weg laufen. Eine wahrhaft bezaubernde Atmosphäre, mit nur einen Hauch Kapitalismus, schließlich konnte man nichts kaufen (zum Glück für mein Budget). Am Freitag hatte ich mir ein gutes Programm zurecht gelegt und dachte: Starten wir den Tag doch mit einem Vortrag von, mit und über Leopold Engleitner, einem 104jährigen und dreifachen KZ-Überlebenden. Er war kein Jude sondern Zeuge Jehovas und zudem Wehrdienstverweigerer, also drehte er eine Runde durch die KZs, wog am Ende 29kg und floh in die Berge. Nun scheint er seinen Frieden geschlossen zu haben mit sich und der Welt und trägt Gedichte vor über die Sehnsucht, dass das alle Leute tun würden. Die Menge applaudiert, weil wir alle die selbe Hoffnung haben und trotzdem wissen, bis zum Frieden könnte weitere 104 Jahre dauern. Eine lange Zeit und für Herrn Engleitner muss dieses fortwährende Überleben ein Triumph sein, aber ich (die überhaupt nie so lang leben wollen würde) frage mich, ob es ausreicht um zu vergessen und zu vergeben...
Danach drehte ich eine Runde durch die Reihen, griff Werbepostkarten ab und erfuhr zufällig beeindruckende Hintergrundinformationen (Frau am Stand zu Kollegen: "Kommt Pansen noch?" - Kollege: "Nein, der ist in Amerika, der wirds nicht schaffen." sowas will ich auch ma sagen...). Anschließend hatte ich mir eine Kochshow rausgesucht, natürlich wegen der Kostproben, schlenderte am blauen Sofa vorbei, wo ein lispelnder Autor über die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller sprach und stellte mich schließlich in die Menge vor dem ZEIT-Stand, wo Günter Grass ein Interview gab. Ich hatte ihn noch nie reden hören und war ziemlich beeindruckt von seiner Eloquenz und Direktheit. Ja, er ist selbstverliebt, aber er hat seinen Standpunkt, eine tolle Erzählerstimme und immerhin einen Nobelpreis, was es nicht alles gibt. Wenn er sich weniger politisch geben würde, hätte er sicher mehr Freunde, aber wen juckt's. Am Ende stellt sich sogar raus, dass der Günter heute Geburtstag hat, 82, soso. Jemand kommt vorbei und drückt mir ein Glas Sekt in die Hand. Na dann, Prost!


Mittlerweile bin ich schon 5 Stunden auf der Messe, hab mich dazu durchgerungen auch ma was zu Essen zu kaufen, bin dazu ausgefragt (für die Statistik), und warte nun auf Wolf Haas, damit er mir seine Unterschrift auf eine Postkarte kritzeln kann (für jemand anderen). Plötzlich kommt Gekreische auf und neugierig wie ich bin, gehe ich Nachsehen. Ist es Dan Brown? Nein, Til Schweiger. Himmelherrgottnochma, und das auf einer Buchmesse!